Das Video- und Performanceprojekt Soft Signals verbindet die beiden UNESCO Creative Cities of Media Arts Karlsruhe und Tbilisi. Karolina Sobel, Natia Chikvaidze und Davit Khorbaladze bringen ausgehend von der georgischen Malerin Elene Akhvlediani (1901–1975) Archivfragmente, Bewegung und lokales Wissen zusammen, um Abwesenheit, Auslöschung und das Verschwinden von Geschichten erfahrbar zu machen. Das Projekt bewegt sich durch Fragen nach queerer und feministischer Sichtbarkeit, archivalischer Abwesenheit sowie den historischen Bedingungen des Verschweigens. Es kreist darum, wie Geschichten verblassen, sich aufspalten oder unausgesprochen bleiben.
Die Performance Elene’s Lines of Flight (Premiere am 01.08. zur KAMUNA im ZKM Medientheater) verbindet Tanz, Text und Live-Musik und bewegt sich zwischen zwei Lebensabschnitten Akhvledianis: ihren frühen Jahren in Paris, als sich ihre malerische Praxis auf Akte konzentrierte, und den Landschaftsbildern, die ihr Leben und ihre Identität während der Sowjetzeit prägten. Sie imaginiert, was die Leerstellen ihrer Biografie bergen könnten, und folgt dabei Gerüchten und archivalischen Auslassungen statt offiziellen Narrativen. Der Titel Elene’s Lines of Flight bezieht sich auf ein Konzept der Philosophen Gilles Deleuze und Félix Guattari, dass eine Bewegung weg von festen Strukturen hin zu Widerspruch, Vielheit und Imagination beschreibt.
Die Videoinstallation rekonstruiert Akhvledianis Leben nicht, sondern richtet ihre Aufmerksamkeit auf das, was an seinen Rändern nachhallt. Eine visuelle Collage, die in Workshops in Tbilisi entwickelt wurde, kombiniert lokale Perspektiven mit Archivspuren und wird mit der Performancedokumentation verknüpft. Die Arbeit entfaltet sich in Fragmenten: Gesten, Pausen und stillen Bildern, die Spuren emotionaler und politischer Zeiten tragen. Durch eine queer-feministische Linse wird Stille nicht nur als Verlust verstanden, sondern als mit Bedeutung aufgeladener Raum.
Teil der Ausstellung Media art is here (2026).
Laufzeit: 13.08.2026 – 13.09.2026
Standort: ZKM Foyer
Gefördert im Rahmen des Projektförderprogramms für Medienkunst der UNESCO City of Media Arts Karlsruhe 2025.