Media art is here 2026

13. August 2026 — 13. September 2026

Poster Media art is here, 13.08.-13.09.2026. Karlsruhe Stadtgebiet

Vom 13.08. bis 13.09. verwandelt sich die Stadt Karlsruhe in einen Ausstellungsraum unter freiem Himmel!

Die künstlerischen Positionen bespielen zentrale Orte – vom Marktplatz über den Alten Flugplatz bis an die Alb. Die Medienkunstwerke schaffen neue Verbindungen zwischen urbanem Raum, Natur und Gesellschaft. Sie machen Unsichtbares sichtbar: Mikroplastik im Flusswasser, Entwaldung als Rhythmus, Klimadaten als Klang. Die Präsentation findet parallel zum SCHLOSSLICHTSPIELE Light Festival statt und lädt vier Wochen lang dazu ein, Karlsruhe durch Medien- und Lichtkunst neu zu entdecken.

Die feierliche Eröffnung findet am 12. August um 18.30 Uhr im ZKM Karlsruhe statt. Alle Interessierten sind herzlich willkommen!

Die Künstler:innen nutzen wissenschaftliche Verfahren, historische Bezüge und partizipative Formate um Orientierung zu finden, in einer sich rasant wandelnden Welt, die eine freiheitliche Grundordnung in Frage stellt. Sie fragen: Wie können wir die ökologischen Herausforderungen unserer Zeit begreifen? Welche Geschichten erzählen militärische Spuren im Stadtraum? Und wie entstehen neue Formen von Gemeinschaft?

Sie laden ein zum Perspektivwechsel – auf Moos, auf Bürokratie, auf queere Sichtbarkeiten. Medienkunst wird hier zum Instrument gesellschaftlicher Reflexion: präzise, poetisch, politisch.

Mehrere Arbeiten machen Umweltveränderungen erfahrbar, die sonst unsichtbar bleiben. Die Künstler:innen arbeiten mit wissenschaftlichen Methoden: Rasterelektronenmikroskopie oder Geodatenanalyse. Diese künstlerischen Übersetzungen schaffen einen neuen Zugang zu abstrakten Zahlen. Sie verbinden lokale Orte mit globalen Prozessen – und erinnern daran, dass vermeintlich ferne ökologische Krisen uns unmittelbar betreffen.

So setzen Norina Quinte, Andreas Hölldorfer (ato) und VOLNA mit der Pyramide für morgen auf dem Marktplatz ein visuelles Statement zum Klimawandel und schlagen eine Brücke zwischen der Geschichte der Stadt und ihrer ökologischen Zukunft. Die Medienkunstinstallation wird eine temporäre, begehbare Pyramidenstruktur in derselben Größe und Form wie die historische Pyramide auf dem Marktplatz sein.

Vera Gärtner macht mit Live from Plastisphere die Mikroplastik-Verschmutzung in der Alb durch sehr großformative Aufnahmen eines Rasterelektronenmikroskops sichtbar. Ihre poetisch-wissenschaftliche Annäherung an lokale Umweltprobleme erstreckt sich über das Schaufenster im Museum beim Markt und die Fischtreppe am Thomaswehr.

Antoine Bertin übersetzt für 555 Hz Entwaldungsstatistiken in Beats pro Minute. Im daraus resultierenden Takt schlagen mehrere Metronomone und senden ein Lichtsignal. Dadurch setzt er dem abstrakten Verlust ein physisch und zeitlich erfahrbares Denkmal im Schlossgarten.

Auch die Künstlerin Lucile Schwörer-Merz arbeitet mit Geodaten für ihre interaktive Klanginstallation Meteoflux, die im Fasanengarten ausgestellt ist. Meteorologische Echtzeitdaten werden mit dem 40-Jahres-Mittelwert verglichen; Abweichungen werden hör- und sichtbar gemacht. Je nach Wetterlage und Bewegung der Besuchenden verändert sich ihre Arbeit.

Desiree Kabis und Eveline Vervliet laden mit ihrer Installation Through Moss-Colored Glasses zu einem Perspektivwechsel ein. Die im Titel angekündigte „moosfarbene Brille“ übersetzt menschliche Bewegungen in die Sprache dieser oft übersehenen Lebewesen und eröffnet dadurch eine queere, nicht-menschliche Sichtweise auf Zusammenleben und Gemeinschaft. Erlebbar ist die Installation am Pavillon des Naturkundemuseums und im Regierungspräsidium.

Das Duo IRIS-A-MAZ transformiert in der Kinemathek Peter Paul Rubens‘ Höllensturz der Verdammten in einen endlosen Schwebezustand. Ihre Videoarbeit Himmelssturz, speziell für die Phonolux-Maschine entwickelt, macht das Kino-Foyer zur Schwelle zwischen Realität und Filmwelt, zwischen Kontrolle und Befreiung.

Weitere Arbeiten spüren militärischen und gesellschaftspolitischen Prägungen im Stadtraum nach. Sie verbinden historische Orte mit aktuellen Fragen: nach Sichtbarkeit, nach Schutzräumen, nach möglichen Zukünften. Die künstlerischen Interventionen machen deutlich, dass Geschichte nicht abgeschlossen ist – sie wirkt fort in Infrastrukturen.

Welche Vergangenheit prägt unsere Gegenwart? Dieser Frage gehen in 2 Flächen bewegen, 50 km/h, Schritttempo Isabel Motz, Nis Petersen und Josefine Pilar Scheu nach. Sie verbinden mit ihren Performances und einem Audiowalk zwei gegensätzliche Karlsruher Orte: den ruhigen Alten Flugplatz und die verkehrsreiche Kriegsstraße. Durch performative Spaziergänge und Autofahrten werden die militärischen Prägungen beider Orte sichtbar gemacht und Fragen nach möglichen Zukünften der Stadt gestellt.

Für unser zwischenmenschliches Zusammenleben und die Machtinstrumente, die dies organisieren, sensibilisieren Yulia Mashkova und Grisha Mumrikov in Fragile Homes nach. Ihre Projektion für die Schlosslichtspiele sowie die Skulpturen im öffentlichen Stadtraum erinnern daran, dass es sich um Menschen handelt und dass das Papier, auf dem unsere Bürokratie fußt, eine natürliche und endliche Ressource ist.

Karolina Sobel thematisiert in der Videoarbeit Soft Signals im ZKM-Foyer queere und feministische Sichtbarkeit sowie die Fragilität von Schutzräumen. Das Gemeinschaftsprojekt entstand in Zusammenarbeit mit Natia Chikvaidze und Davit Khorbaladze aus Tiflis und nimmt die georgische Malerin Elene Akhvlediani (1898–1975) zum Ausgangspunkt.

In Fortsetzung des 2024 gestarteten Austausches zwischen den Medienkunststädten Cali und Karlsruhe entwickeln Lejel Jahos und Daniela Vargas ihre Arbeit No Longer Not Yet (2025) weiter. Bei Yvonne Hohner Contemporary zeigt Memoraque eine Installation, die einem Traum zu entstammen scheint und in ein spannungsvolles Spiel von Fluss und Echo bringt.

Einen Schritt weiter geht SangDoo Nam; er nutzt den öffentlichen Raum als Bühne für neue Formen des Austauschs. Seine Installation verwandelt den Kirchplatz St. Stephan in einen besonderen Pop-up-Store, an dem Menschen ihre Geschichten gegen Bilder tauschen können. Hier entsteht Kunst als soziale Praxis jenseits musealer Konservierung.

Im studio hö erarbeitet Stipendiatin Isabelle Konrad in ihrem transmedialen Projekt FURIE eine neue visuelle Sprache für weibliche Wut. Kein Zufall, dass das Wort Hysterie vom griechischen hysterá – Gebärmutter – kommt und dass die Furien der Mythologie als Rachegöttinnen gefürchtet wurden, nicht als Gerechtigkeitsbringerinnen. FURIE fragt, was mit dieser aufgestauten Energie passiert und was entsteht, wenn sie sich endlich Raum nimmt. Das Gesamtprojekt ist als langfristiger Bild- und Klangatlas angelegt, der über das Stipendium hinauswächst.

Alle ausgestellten Arbeiten sind 2024 und 2025 durch das Projektförderprogramm Medienkunst der UNESCO Creative City of Media Arts Karlsruhe gefördert worden.

Werke

2 Flächen bewegen, 50 km/h, Schritttempo, 2026

2 Flächen bewegen, 50 km/h, Schritttempo, 2026

555 Hz, 2026

555 Hz, 2026

Himmelssturz, 2026

Himmelssturz, 2026

Live from Plastisphere, 2026

Live from Plastisphere, 2026

Memoraque, 2026

Memoraque, 2026

One way or another, 2022/2026

One way or another, 2022/2026

Pyramide für morgen, 2026

Pyramide für morgen, 2026

Through Moss-Colored Glasses, 2026

Through Moss-Colored Glasses, 2026

Die Furien sind hier, 2026

Die Furien sind hier, 2026

Echo einer Ordnung, 2026

Echo einer Ordnung, 2026