(Entlastungen) Pipilottis Fehler, 1988

Rist, Pipilotti
© Pipilotti Rist; Screenshot von »(Entlastungen) Pipilottis Fehler« von Pipilotti Rist, 1988, Betacam SP, Farbe, stereo, ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe.

Ein beharrlicher Perkussionsrhythmus begleitet die Bilder des Betacam SP-Videos (Entlastungen) Pipilottis Fehler. Eine Frau in einem roten Kleid fällt immer wieder zu Boden, begleitet vom harten Klang von Trommeln und Becken – manchmal auf Asphalt, manchmal auf Gras oder mitten auf einem Maisfeld. Sie richtet sich auf, nur um kurz darauf erneut zu Boden zu gehen. In einer anderen Szene springt sie immer wieder in einen Swimmingpool, wo sie sich kaum bewegen kann, weil eine Hand sie am Haar festhält und versucht, sie unter Wasser zu drücken. In einer weiteren Sequenz versucht die Frau vergeblich, einen Zaun zu erklimmen, bevor ihre Kraft sie im Stich lässt.

Auf diese Weise verfolgen Pipilotti Rists Szenarien die Misserfolge der Protagonistin auf eine mitfühlende und gleichzeitig entfremdende Weise. Indem die Künstlerin diese Unvollkommenheit und Fehlerhaftigkeit als angenehmen Misserfolg inszeniert, schafft sie ein Spannungsfeld, in dem der weibliche Körper untrennbar zwischen Selbststärkung und der Objektivität des Blicks oszilliert. Dabei bedient sich Rist verschwommener Störbilder, Rauschen und selbstreferenzieller Texte, die den experimentellen Anfängen und manipulativen Fähigkeiten der frühen Bildproduktion und Videokunst huldigen. Durch die Verdichtung, Überlagerung und Verzerrung der Bilder beginnen die räumliche Orientierung sowie das Zusammenspiel von Versuch und Irrtum, Traum und Realität zu verschwimmen.

Teil der Ausstellung auf der art KARLSRUHE 2024.