Im April 2026 lobten die UNESCO Creative City of Media Arts Karlsruhe (UCCoMA) und die Hoepfner Stiftung zum zweiten Mal ein Stipendium für professionelle freischaffende Medienkünstler:innen aus, die in Karlsruhe und der Region leben und arbeiten. Gesucht wurden innovative, kooperative und interdisziplinäre Ideen für Medienkunstprojekte, die innerhalb der Stipendiumszeit von sechs Monaten in den Räumlichkeiten des studio hö entwickelt und ausgestellt werden.
Die Medienkünstlerin Isabelle Konrad ist die diesjährige Stipendiatin im studio hö. Sie überzeugte die siebenköpfige Jury mit ihrem Konzept FURIE, welches unter zahlreichen Einreichungen ausgewählt wurde.
Zu ihrer Begründung schreibt die Jury:
„Das Thema „Female rage“ ist kein beliebiges, sondern ein notwendiges. Die Künstlerin Isabelle Konrad macht es zum Ausgangspunkt eines Projekts, das die Jury in Konzept, Form und Haltung überzeugt hat.
Konrad bearbeitet das Thema trotz emotionaler Betroffenheit intellektuell progressiv: Sie erforscht Archetypen weiblicher Wut und entwickelt daraus einen konstruktiven Motor zur Selbstermächtigung – Wut nicht als Gegengewalt, sondern als Agency. Ihr Projekt FURIE verortet sich in einer Tradition weiblicher Ikonografie, zitiert bestehende Bildräume, um diese produktiv zu überschreiben, und macht eine gesellschaftlich unterdrückte Emotion zum künstlerischen Werkzeug. In Zeiten, in denen Übergriffe auf weibliche und weiblich-gelesene Personen im physischen wie digitalen Raum zunehmen und patriarchale Strukturen tief verankert bleiben, brauchen wir genau diese Wut.
Entscheidend war für die Jury auch die präzise Passung zum Ort: Die Schaufenstertransparenz des studio hö, situiert zwischen KIT und Brunnenstraße, macht das Projekt zur öffentlichen Geste. FURIE bespielt diesen symbolisch aufgeladenen Raum – von der Recherche bis zum Schreichor – als fortlaufenden Prozess der Sichtbarmachung. Das studio hö wird zum Begegnungsraum, in dem weibliche und weiblich-sozialisierte Personen zusammenkommen, diskutieren und neue Formen weiblicher Wut erproben.
Die multimediale Form – Fotografie, Video, Sound und Performance – passt ausgezeichnet zur Ausrichtung des Stipendiums. Konrads Erfahrung mit Performance und medienkünstlerischen Technologien sowie ihre breite Vernetzung in Karlsruhe lassen eine aktive Ansprache eines vielfältigen Publikums erwarten. Das studio hö wird dabei nicht nur Ausstellungs- und Performanceraum, sondern auch intimes Fotostudio: ein Ort, an dem neue Porträts und Bilder weiblicher Archetypen entstehen – gemeinsam entwickelt, gemeinsam sichtbar gemacht. Die Anlage eines langfristigen Bild- und Klangatlas verspricht, dass FURIE über das Stipendium hinaus nachwirken wird: als wachsendes Archiv weiblicher Wut, das im Prozess entsteht und für das Publikum erfahrbar bleibt.“
Teil von Isabelle Konrads Projekt sind zahlreiche Workshops, der erste findet am 28.06.2026 statt und widmet sich dem Anger Archive, darin gehen Teilnehmende der Frage nach, wie wütende Frauen bisher in der Kunstgeschichte, Popkultur und den Medien dargestellt wurden.
Isabelle Konrads erste Ausstellung Die Furien sind hier eröffnet am 11.08. um 19 Uhr und ist Teil der Ausstellung Media art is here vom 13.08. bis 13.09.2026.
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