Der Badische Kunstverein lädt herzlich ein, die kürzlich eröffnete performative Sound-Ausstellung Radio-Choreography: Acts of Transmission der Künstlerin Netta Weiser im Rahmen eines vielfältigen Veranstaltungsprogramms zu erfahren.
Hierfür hat Netta Weiser einige ihrer Projektpartnerinnen und Gäste eingeladen, um gemeinsam mit ihnen die Installation im Lichthof zu aktivieren. Mit dabei sind die Wissenschaftlerin und Vokalkünstlerin Vanessa Paloma Elbaz (University of Cambridge, UK), die Choreografin und Tänzerin Shira Eviatar (Tel Aviv, Israel), die Künstlerin Myriam Van Imschoot (Brüssel, BE) sowie die Künstlerin Anissa Rouas (Brüssel, BE).
Mittwoch, 3.7., Donnerstag, 4.7. & Freitag, 5.7.2024
während der Öffnungszeiten
Performance-Recherche und offene Proben
In einem offenen performativen Lab erkunden Vanessa Paloma Elbaz, Shira Eviatar, Myriam Van Imschoot, Anissa Rouas und Netta Weiser verschiedene Möglichkeiten der Performance im Raum der Klanginstallation. Sie setzen Stimme, Bewegung und verkörpertes Zuhören ein und erforschen dabei die Beziehungen zwischen Körper und Klang, Live-Aktionen und Archivaufnahmen, traditionellen Praktiken und zeitgenössischer Performance.
Freitag, 5.7.2024
18–19 Uhr
Performance in der Installation
mit und von Vanessa Paloma Elbaz, Shira Eviatar, Myriam Van Imschoot, Anissa Rouas und Netta Weiser
20–21 Uhr
Radio-Choreography
Radiophone und performative Lesung
von Netta Weiser [EN]
Netta Weiser präsentiert Radio-Choreography: ein radiophones Archiv von Tanzpraktiken, die von Choreografinnen in Zeiten von Migration und Grenzüberschreitung geschaffen wurden. Sie verwebt dabei Erzählung, Klang und Live-Mixing. Innerhalb dieser Stunde des kollektiven Zuhörens wird sie Tanzklänge aus Beirut, Stimmen aus Athen, Dokumente aus dem Deutschen Tanzarchiv Köln und Feldaufnahmen aus Teheran und Wien abspielen.
Samstag, 6.7.2024
11:30–13:30 Uhr
Performance in der Installation
mit und von Vanessa Paloma Elbaz, Shira Eviatar, Myriam Van Imschoot, Anissa Rouas und Netta Weiser
17–18:30 Uhr
Vocal and Embodied Transference
Vorträge von Vanessa Paloma Elbaz und Shira Eviatar [EN]
Dr. Vanesssa Paloma Elbaz spricht über ihre jüngsten Forschungen zur stimmlichen Übertragung im Kontext der jüdisch-marokkanischen Gemeinden und der Diaspora und stellt ihr Langzeitarchivierungs-Projekt KHOYA: Jewish Morocco Sound Archive vor. Dieses zeichnet die klanglichen Erinnerungen marokkanischer Jüd:innen auf und legt einen Schwerpunkt auf die mündlichen Überlieferungen von Frauen.
Shira Eviatar berichtet über ihre künstlerische Forschung zu Körperpraktiken und -kenntnissen, die sie von ihrer Großmutter jüdisch-marokkanischer Herkunft geerbt hat. Ausgehend von einem Verständnis des Körpers als Archiv wird sie ihre Methoden zur Verflechtung traditioneller Bewegungs- und Gesangspraktiken mit zeitgenössischem Tanz diskutieren.
19–20 Uhr
Le Cadeau
Film-Screening [FR, AR] mit Untertiteln [EN], 48 Min.
im Anschluss Gespräch mit der Regisseurin Myriam Van Imschoot [EN]
Le Cadeau (Brüssel, 2018) dreht sich um die vier Porträts von Malika, Anissa, Fatiha und Sarah, die alle Teil der YouYou Group sind. Sie sprechen durch Gesang, Demonstrationen und Geschichten über ihre Beziehung zu ihrer Stimme und insbesondere zum ‘youyou’ oder ‘zaghareed’ (auf Arabisch), einem Triller, der ursprünglich aus afrikanischen und nahöstlichen Ländern stammt und von Frauen verwendet wird, um Freude oder andere intensive Gefühle auszudrücken. Der Film folgt den Pfaden der Migration und der Diaspora, den Wegen des Verlangens und der Revolte und vor allem der Solidarität.
Sonntag, 7.7.2024
11:00–12:30 Uhr
Brunch & Performance in der Installation
mit und von Vanessa Paloma Elbaz, Shira Eviatar, Myriam Van Imschoot, Anissa Rouas und Netta Weiser
14–16 Uhr
Radio broadcast on blessings
Radiosendung mit Anissa Rouas, Vanessa Paloma Elbaz und Shira Eviatar [EN]
im Kunstverein und live auf Querfunk Freies Radio Karlsruhe
Anissa Rouas, Vanessa Paloma Elbaz und Shira Eviatar verbinden ihre persönlichen Beziehungen zu marokkanischen Segnungspraktiken. In dieser Radiosendung sprechen sie über ihre jeweiligen künstlerischen und akademischen Forschungen zum Thema Segnung. Das Gespräch bewegt sich zwischen jüdischen und muslimischen Heilpraktiken und stimmt auf die weibliche Genealogie der Segnenden ein. Mit Klängen, Gesang und Flüstern aktivieren sie die klangliche Wirkung der Segnung – und senden Klangwellen uralter Praktiken der Fürsorge vom Kunstverein in den Äther.
Montag, 8.7.2024
17–19 Uhr
Choreographies of Listening
Workshop angeleitet von Netta Weiser [EN]
im Kunstverein und von dort aus in den öffentlichen Stadtraum
Dieser Workshop erforscht die somatischen, performativen und politischen Implikationen des kollektiven Zuhörens. Wie kann der Akt des Zuhörens zu einem performativen Modus werden? Wie können die Übergänge zwischen Ansehen und Zuhören unsere Ökologien der Aufmerksamkeit und des Seins in der Welt beeinflussen? Wir beschäftigen uns mit einigen Partituren des Embodied Listening, die von der US-amerikanischen feministischen Komponistin Pauline Oliveros inspiriert sind. Zudem machen wir Hörübungen, die aus dem künstlerischen Forschungsprojekt Radio-Choreographystammen.
Der Workshop findet in Kooperation mit der HfG Karlsruhe statt und ist offen für alle Interessierten; es sind keine Vorkenntnisse erforderlich.
Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei!
Radio-Choreography: Acts of Transmission ist Teil der diesjährigen Medienkunst-Ausstellung Media art is here und wurde im Rahmen des Projektförderprogramms für Medienkunst der UNESCO City of Media Arts Karlsruhe sowie von Artis unterstützt.